Stellen Sie sich vor, Ihre Website wäre ein Ort, an dem sich jeder Mensch willkommen fühlt. Egal ob mit Maus oder Tastatur, mit oder ohne Seh- oder Höreinschränkungen, mit perfektem Deutsch oder einfacher Sprache – Ihre Inhalte sind zugänglich. Ihre Angebote erreichbar. Ihr Design einladend. Dieser kleine Guide zeigt Ihnen, wie digitale Barrierefreiheit gelingt – nicht als trockene Checkliste, sondern als Einladung, digitale Räume für alle zu öffnen.
Barrierefreiheit im Web ist mehr als eine gesetzliche Pflicht. Sie ist ein Statement: Für Inklusion. Für modernes Design. Und für digitale Erlebnisse, die alle erreichen.
Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) wird das auch gesetzlich gefordert: Seit dem 28. Juni 2025 müssen neue Websites, Apps und Online-Dienste für Verbraucher*innen barrierefrei zugänglich sein. Grundlage ist die Norm EN 301 549 – basierend auf den international anerkannten WCAG 2.1-Richtlinien (Level AA).
Was viele nicht wissen: Wer hier früh aktiv wird, stärkt nicht nur die eigene Sichtbarkeit – sondern sendet auch ein klares Signal der Offenheit und Zukunftsfähigkeit.
Also: Wie funktioniert Barrierefreiheit konkret? Wir haben die wichtigsten Bereiche für Sie aufbereitet – kurz, hilfreich, alltagstauglich.
Ein barrierefreier Text ist wie ein gutes Gespräch: klar, direkt und offen für alle. Menschen mit Lernschwierigkeiten, Leseschwäche oder nicht-deutscher Muttersprache sollen ihn ebenso gut verstehen wie Profis.
Weil Menschen Texte lieben, die sie wirklich verstehen. Und Google auch: Verständliche Inhalte erhöhen Reichweite, Relevanz und Resonanz.
Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen mit festen Regeln. Sie richtet sich z. B. an Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Lernschwierigkeiten oder geringer Lesekompetenz. Texte in Leichter Sprache haben meist kurze Hauptsätze, klare Begriffe und unterstützende Bilder.
Einfache Sprache ist weniger strikt geregelt, aber ebenfalls verständlich, direkt und strukturiert. Sie eignet sich gut für breite Zielgruppen – z. B. auch Menschen mit Deutsch als Zweitsprache oder geringer Bildung.
Für digitale Barrierefreiheit empfiehlt die BITV 2.0 (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung), dass Informationen auch in Leichter Sprache angeboten werden, wenn sich das Angebot an die Allgemeinheit richtet.
Quellen:Komplexe Nebensätze, Schachtelsätze oder juristische Verschachtelungen erschweren die Lesbarkeit – besonders für Nutzer:innen mit kognitiven Einschränkungen, Leseproblemen oder Screenreadern.
Einfache Satzstruktur verbessert die kognitive Zugänglichkeit und unterstützt die technische Barrierefreiheit, z. B. in Kombination mit Screenreadern.
Quellen:Aktive Sätze sind direkter, leichter zu verstehen und wirken persönlicher. Sie machen sofort klar, wer etwas tut und was geschehen soll. Das erleichtert das Verständnis – gerade für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Sprachbarrieren.
Beispiel:Aktiv und im Präsens formulierte Texte verbessern die Lesbarkeit, reduzieren Missverständnisse und steigern die Nutzerfreundlichkeit – ein zentraler Aspekt barrierefreier Kommunikation.
Quellen:Alt-Texte (auch: alternative Texte) sind kurze Beschreibungen von Bildern, die Screenreader vorlesen. Sie machen visuelle Inhalte auch für blinde oder sehbehinderte Menschen zugänglich.
Ein guter Alt-Text beschreibt das Wesentliche: Was ist für das Verständnis der Seite wichtig?Eine klare inhaltliche Struktur ist das Fundament barrierefreier Texte. Sie macht Inhalte zugänglich – für alle, besonders jedoch für Nutzer*innen von Screenreadern.
Das bedeutet:Eine durchdachte Struktur sowie klare Gliederung steigern Lesefluss, Verständlichkeit und SEO-Wirkung – und sorgen dafür, dass Inhalte auch mit Screenreadern oder Tastaturnavigation intuitiv erfasst werden können.
Quellen:Abkürzungen sind nicht immer selbsterklärend – vor allem für Menschen ohne Fachhintergrund. Sie sollten stets sparsam eingesetzt werden und beim ersten Vorkommen ausgeschrieben und erklärt werden.
Beispiel:Auch Screenreader haben Probleme mit Abkürzungen – sie buchstabieren sie oft, statt sie auszusprechen. Eine ausgeschriebene Formulierung schafft hier Klarheit.
Quellen:Barrierefreies Webdesign ist ästhetisch und funktional zugleich. Es ist zugänglich, übersichtlich und nutzbar für alle: Egal ob mit Bildschirmleser, Touchpad oder Lupenfunktion.
Menschen, die sich auf einer Website intuitiv zurechtfinden, Inhalte schnell erfassen und Funktionen problemlos nutzen können, bleiben länger. Und kommen eher zurück. Barrierefreies Design schafft positive User Experiences, Nähe und Vertrauen – ohne Abstriche bei Designanspruch und Ästhetik.
Ein ausreichender Farbkontrast stellt sicher, dass Texte und Bedienelemente auch bei Sehschwächen oder unter schlechten Lichtverhältnissen gut lesbar sind. Die WCAG 2.1 fordert ein Verhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für große Schriften. Schwache Kontraste wie Hellgrau auf Weiß erschweren das Lesen, während klare, kräftige Farbkombinationen die Erkennbarkeit erhöhen.
Wissenswert: Auch Buttons, Icons und Textlinks immer auf ausreichenden Kontrast prüfen.
Quellen:Informationen sollten nicht ausschließlich über Farben vermittelt werden. So sollten beispielsweise Farbmarkierungen durch Symbole, Text oder Muster ergänzt werden, um die Wahrnehmbarkeit für Personen mit Farbfehlsichtigkeit sicherzustellen.
Extratipp: Links nicht nur farblich, sondern auch durch Unterstreichung kennzeichnen.
Quellen:Gut lesbare Schriftgrößen und flexible Anpassbarkeit sind essenziell.
Wie das gelingt?
Die optimale Textgröße hängt von mehreren Faktoren ab – darunter Sehschärfe der Zielgruppe, Betrachtungsabstand, Lichtverhältnisse und
Eigenschaften der gewählten Schriftart. Die DIN 1450 empfiehlt Werte auf Basis einer durchschnittlichen Sehschärfe von 70 %.
Skalierbarkeit ist Pflicht: Text muss sich von Nutzer*innen bis auf 200 % vergrößern lassen, ohne dass Layout oder Bedienbarkeit leiden. Das ist sichergestellt, wenn Inhalte als echter Text vorliegen (kein Text in Grafiken) und in relativen Einheiten wie em oder rem definiert werden.
Quellen:Buttons, Links und andere Klickziele brauchen ausreichend Platz, damit sie auch mit motorischen Einschränkungen oder auf kleinen Bildschirmen bedienbar sind. Denn: Nur, wenn Bedienelemente groß genug und klar voneinander getrennt sind, lassen sich Fehlklicks vermeiden – besonders auf Touchscreens oder bei motorischen Einschränkungen.
So gelingt‘s:
Darum lohnt es sich:
Vermeidet Frust und erleichtert die Bedienung auf allen Endgeräten – besonders für Menschen mit motorischen Einschränkungen oder auf kleinen Smartphone-Displays.
Barrierefreies Design bedeutet, dass Inhalte auf allen Bildschirmgrößen und Orientierungen gut nutzbar sind. Die WCAG fordert, dass Inhalte bei 320 px Breite ohne horizontales Scrollen dargestellt werden können.
Die Grundregeln:Alle interaktiven Elemente – wie Links, Buttons, Formularfelder oder Menüs – müssen vollständig per Tastatur erreichbar sein. Das ist entscheidend für Menschen, die keine Maus verwenden können, etwa aufgrund motorischer Einschränkungen oder weil sie Screenreader nutzen. Ebenso wichtig: Der Fokuszustand muss deutlich sichtbar sein (z. B. gelbe Outline auf dunkelblauem Hintergrund), damit jederzeit klar ist, wo man sich gerade befindet und welches Element gerade aktiv ist.
Deshalb gilt es zu beachten:Barrierefreiheit endet nicht bei Text und Design. Erst der Code sorgt dafür, dass Inhalte auch wirklich für alle zugänglich sind – unabhängig von Endgerät, Hilfsmittel oder individuellen Einschränkungen.
Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1) geben klare Vorgaben. Für Entwickler*innen heißt das vor allem: semantisch sauber, logisch strukturiert, assistiv (z. B. mit Technologien wie Screenreadern oder Braillezeilen) kompatibel.
Jede Funktion – vom Menü bis zum Formular – muss ohne Maus bedienbar sein. Das gilt auch für komplexe Widgets wie Slider oder Drop-downs.
Checkliste:Screenreader ermöglichen blinden und stark sehbehinderten Menschen den Zugang zu digitalen Inhalten, indem sie Texte, Alternativbeschreibungen und Strukturelemente vorlesen.
Damit dies reibungslos funktioniert, ist eine saubere, semantische Auszeichnung entscheidend:So bleibt die Website vollständig bedienbar – auch ohne visuelle Wahrnehmung.
Quellen:Formulare gehören zu den sensibelsten Bereichen der Barrierefreiheit – hier entscheidet sich oft, ob Nutzer*innen erfolgreich eine Aufgabe abschließen können oder frustriert abbrechen. Damit das gelingt, müssen Eingabefelder, Beschriftungen und Fehlermeldungen klar erkennbar und leicht verständlich sein.
So gelingt’s:Videos, Audios und Animationen gehören heute zu den meistgenutzten Inhalten im Web – doch ohne passende Alternativen können sie für viele Menschen unzugänglich bleiben. Besonders Menschen mit Hörbehinderungen, Sehbeeinträchtigungen oder kognitiven Einschränkungen profitieren von ergänzenden Formaten, die Informationen auf mehreren Wegen zugänglich machen.
Deshalb unverzichtbar:
Für Videos Untertitel anbieten
Für wichtige visuelle Inhalte (Gesten, eingeblendete Texte oder Handlungsabläufe) Audiodeskription bereitstellen, die relevante Bildinhalte beschreibt
Für Audioinhalte (wie Podcasts oder Interviews) vollständige Transkripte bereitstellen
Gut zu wissen: Untertitel und Transkripte, die alle wesentlichen Informationen schriftlich bereitstellen, erleichtern nicht nur den Zugang für Menschen mit Hörbehinderungen, sondern ermöglichen auch schnelles Querlesen und die Suche nach bestimmten Inhalten.
Quellen:Automatische Aktionen oder Zeitlimits können für Nutzer*innen zur Barriere werden – etwa für Menschen mit motorischen oder kognitiven Einschränkungen.
So bleibt die Nutzung für alle stressfrei und inklusiv:Alle neuen digitalen B2C-Angebote (Webshops, Buchungssysteme, Kundenportale etc.)
Achtung! Keine Übergangsfristen für Websites – sie müssen direkt barrierefrei starten!
Barrierefreiheit ist damit keine Option – sondern eine klare Anforderung. Aber sie ist vor allem: eine große Chance.
Wir sind c&p, Medienachse und UZBK – ein interdisziplinäres Team aus Content, Design und Entwicklung. Unser gemeinsames Ziel: digitale Produkte zu schaffen, die ansprechen: Alle. Unabhängig von Einschränkungen. Und im Einklang mit aktuellen Standards
Ob Quick Check, Full Audit oder Komplettumsetzung – wir begleiten Sie: ganzheitlich, verständlich, persönlich.